Managerhaftpflicht: Jahrelange Prämiensteigerungen erwartet

Autor: Uwe Schmidt-Kasparek, erschienen im VersicherungsJournal


23.1.2020 – Die Haftungsrisiken für Manager steigen. Vor allem Insolvenzverwalter stellen regelmäßig Ansprüche. Auch Cyberschäden werden immer öfter Managern zur Last gelegt. Über das Ausmaß der Schäden gibt es heftigen Streit. Erstmals kann nun auch der komplizierte Schutz automatisch abgeschlossen werden. Das zeigte sich auf dem Haftpflicht-Kongress am Mittwoch in Hamburg.


Die Manager-Haftpflichtversicherung, auch Directors-and-Officers-Police (D&O) genannt, hat 2018 in Deutschland Prämieneinahmen von 247 Millionen Euro erzielt. Gleichzeitig lagen die Schadenaufwendungen bei 252 Millionen Euro. Diese Daten habe der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) nun veröffentlicht. Das sagte Marcel Armon, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Hendricks GmbH, auf dem Euroforum-Kongress Haftpflicht 2020 am Mittwoch in Hamburg.


Hendricks: D&O-Prämien müssten um 37 Prozent steigen

Um lediglich die Kosten zu decken, die durch Verwaltungs- und Vertriebsaufwand entstehen, müssten 92 Millionen Euro Mehreinahmen erzielt werden. Das bedeute, dass D&O-Policen um rund 37 Prozent teurer werden müssten, rechnete der Manager vor. Doch die zugrunde liegenden GDV-Daten sind nach Ansicht von Versicherungsmaklern unsicher. „Es ist nicht klar, ob der Aufwand tatsächlich nur Schadenzahlungen enthält oder auch Reserven“, sagte Harald Köberich, Geschäftsführer der Köberich Financial Lines GmbH & Co. KG. Prämieneinahmen und Schadendaten werden bisher von keinem D&O-Versicherer veröffentlicht.


GDV-Statistik ist unvollständig

Dabei verfügt der GDV über weitere Daten. Dies bestätigte Daniel Messmer, Arbeitsgruppen-Vorsitzender der GDV-Arbeitsgruppe D&O. Messmer ist hauptberuflich Head Financial Lines EMEA bei der deutschen Reinsurance Swiss Re Europe S.A. „Wir haben unsere Daten an den GDV gemeldet und so diese Statistik erst möglich gemacht“, sagte Nepomuk Loesti, Head of Liabilities & Financial Lines Germany Switzerland Austria der AIG Europe Limited. Trotzdem wird der Markt nicht voll abgebildet. Nach Angaben des GDV werden nur 33 Assekuranzen erfasst. Dabei sollen 50 Versicherer in Deutschland D&O-Policen anbieten. So fehlt beispielsweise mit der Allianz Global Corporate & Specialty SE ein marktbedeutender Player. Einig waren sich Versicherer und Vermittler, dass der Markt der D&O-Versicherung nun in seiner ganzen Breite härter wird. Bereits in den Vorjahren galten die Prämien als nicht auskömmlich. Sogar eine Verzehnfachung der Beiträge war gefordert worden.


Nun kommen Beitragsanpassungen für alle

Während bei größeren Firmen schon im Vorjahr Prämienanhebungen durchgesetzt werden konnten, wurde das nach Einschätzung von Makler Armon im kleineren Mittelstand nur im Neugeschäft getan. Hier stiegen die Prämien zwischen 15 und 20 Prozent. Die Vermittler kritisieren nun, dass es auf Basis der wenigen Schadendaten schwer gemacht werde, die Masse der Unternehmen von Prämienanpassungen zu überzeugen. „Wir haben in der D&O nie gelernt höhere Preise zu verkaufen“, sagte Armon. Unzufrieden sind die Vermittler auch mit dem Service der D&O-Versicherer. Vor allem die Schadenabwicklung wird kritisch gesehen. Nach Aussagen von spezialisierten Anwälten ist eine Regulierungsdauer von drei Jahren durchaus üblich. Noch immer würden rund 70 Prozent der Schäden außergerichtlich erledigt, um nicht noch einen hohen Reputationsschaden für Unternehmen und Manager anzurichten.


Vier Versicherer haben Cyberschutz aus der D&O-Deckung gestrichen

Um die Schadenbelastung zu reduzieren, würden mittlerweile schon vier Versicherer Cyberschutz aus der D&O-Deckung streichen. Dann müsse eine extra Cyberpolice abgeschlossen werden. „Dieses Risiko will heute kein Manager mehr tragen“, sagte Armon. Daher gehe die Policierung des Cyberschutzes dann blitzschnell. Zudem befürchtet der Makler, dass immer mehr Versicherer aus dem D&O-Schutz aussteigen würden, wenn Unternehmen wirtschaftlich angeschlagen sind. Die Assekuranzen wollen so verhindern, dass sie bei einer Pleite des Unternehmens aus der D&O vom Insolvenzverwalter in Anspruch genommen werden. Armon hält ein solches Verhalten für imageschädigend für die gesamte Branche. Fakt ist aber, das Insolvenzen die D&O belasten. 2020 rechnet die Branche damit, dass Insolvenzen um drei Prozent steigen werden. Der GDV analysiert derzeit, in welchem Umfang Insolvenzen tatsächlich die Managerhaftflicht belasten. Ob diese Daten aber veröffentlicht werden, ist ungewiss. Da die hohen notwendigen Prämienanpassungen in der Sparte nicht auf einen Schlag von den Kunden verlangt werden können, gehen die Makler davon aus, dass der Markt drei bis fünf Jahre lang „hart“ bleiben könnte.


Tarifierung nach Umsatz?

Um künftig einfacher Preiserhöhungen durchsetzen zu können, wäre möglicherweise eine Tarifierung nach Umsatzentwicklung sinnvoll. Dazu hat Hendriks 1.600 kleine und mittlere Unternehmen untersucht und festgestellt, dass bei 63 Prozent die Umsätze innerhalb von fünf Jahren gestiegen sind, bei einigen sogar ganz erheblich.


AIG-Mann Loesti rät Maklern und Unternehmern in der derzeitigen Situation, früh über die Verlängerung der Verträge in den Dialog zu treten. „Drei Monate vor Ablauf sind definitiv zu spät“, so der Manager. Möglicherweise kann eine automatische Ausschreibungsplattform helfen. Sebastian Klapper, Co-Founder und Geschäftsführer der Finlex GmbH, hat ein solches Tool entwickelt. Derzeit kooperierten acht D&O-Versicherer mit dem Startup. Die Plattform bietet Versicherungsmaklern aller Größen ihren Service an. Derzeit sind bereits 1.500 Abschlüsse policiert worden. Allein die Schadenabwicklung erfolgt aufgrund der hohen Komplexität auch bei Finlex noch klassisch über menschliche D&O-Experten.